Freitag, 24.11.2017

Beste Verbindungen in alle Körperregionen

Atlastherapie nach Arlen

Weitere Informationen: www.merkl-orthopaedie.de

Wie kann der Arzt neuromotorische Störungen unterschiedlicher Ursache sowie Schmerzzustände des Bewegungssystems schonend beeinflussen? Das neurologische Konzept heißt Atlastherapie und ist ein Behandlungsverfahren mit Wirkung auf das Gleichgewichtssystem, den Muskeltonus, die Eigenwahrnehmung, das Schmerzempfinden, auf vegetative Funktionen ... und nebenbei auch geeignet zur Beseitigung sogenannter «Blockierungen«.

Unser Körper ist aus gleichwertigen aufeinanderfolgenden Abschnitten (Segmente) aufgebaut. Bereits in der 3. Schwangerschaftswoche entstehen die Metamere als Somiten und umfassen alle Strukturen, die ein Spinalnerv innerviert (siehe Kasten). Als Spinalnerven bezeichnet man die Nerven, die paarig aus dem Rückenmark entspringen. Sie sind Teil des peripheren Nervensystems und dienen der sensorischen und motorischen Versorgung der Haut-, Gelenk-, Organ-, Muskulatur-, Bindegewebs-, Knochen- und Nervengefäße. Bereits in dieser frühen Embryonalzeit weicht der okzipito-zervikale Übergang, der die Hinterhauptskondylen (C0) und die ersten beiden Halswirbel Atlas (C1) und Axis (C2) einschließt, von den übrigen segmentalen Entwicklungen der Wirbelsäule ab.

Über das Nacken­rezeptorenfeld zum Gehirn

Die muskulären und bindegewebigen Strukturen der beiden ersten subokzipitalen Strukturen (Atlas, Axis), also der Strukturen unterhalb des Hinterhaupts im oberen Abschnitt der Nackenregion, sind besonders gut innerviert und bilden das sogenannte Nackenrezeptorenfeld. Von hier entstehen Ausläufer zu allen Arealen des Gehirns, vor allem zum Gleichgewichtsorgan, aber auch zum Atem- oder Kreislaufzentrum und zu allen Organsystemen. Auf diese Weise findet ständig ein Datenaustausch in unserem Rechenzentrum Gehirn statt, das die Information aus Gleichgewichtsorgan und Nackenrezeptorenfeld berechnet und so die Körperstellung im Raum organisiert.

Der Atlas im Mittelpunkt

Sherrington führte 1897 an dezerebrierten Katzen einen Versuch durch. Reizungen der Hinterwurzel ab dem Halswirbel C3 und tiefer lösten einen Streckreflex aus, Reizungen oberhalb führten zu einem generalisierten Tonusverlust, einem Verlust der Muskelspannung der quergestreiften Muskulatur. Es gibt also im Segment C2 einen Mechanismus, der den gesamten Tonus der quergestreiften Muskulatur beeinflusst.

Albert Arlen nutzte diese Information, um in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine spezielle Behandlung zu entwickeln, in deren Mittelpunkt der 1. Halswirbel, Atlas genannt, steht. Er trägt den Kopf und hat nach oben Gelenkkontakt zur Schädelbasis, nach unten ist er mit dem Axis, dem 2. Halswirbel, verbunden. Mit diesen Nachbarn ist er, wie oben schon beschrieben, durch Kapselband und autochthone Nackenmuskulatur in engem Kontakt.
Bei der Atlastherapie wird der Atlas allerdings gar nicht behandelt, vielmehr ist er der Hebel, mit dem Einfluss auf die spezielle Muskulatur zwischen Hinterhaupt und Axis genommen wird. Wie bereits in früheren Artikeln beschrieben, können Störungen in diesem System, z.B. Bewegungsstörungen, zur Weitergabe falscher Informationen führen oder es werden Signale weitergeleitet, die einen Störprozess signalisieren, wie das bei Schmerzzuständen der Fall ist.

Korrektur fehlerhafter Informations­verarbeitung

Mit der Atlastherapie besteht die Möglichkeit, eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zu korrigieren und am krankhaften Zustand zu bessern oder zu beheben. Über den Seitenfortsatz des Atlas wird vom Therapeuten ein blitzschneller Impuls gesetzt, mit einer gezielten Richtung und genau dosierter Kraft. Durch den ultrakurzen Dehnreiz auf das Nackenrezeptorareal wird sofort ein anderes Wahrnehmungsmuster erzeugt und es entsteht ein neues Informationsbild, das dann im Gehirn auf heilsame Weise verarbeitet wird. Dieser atlastherapeutische Impuls ist keineswegs beliebig, vielmehr müssen Impulsrichtung, -stärke sowie -häufigkeit für jeden Patienten individuell ermittelt werden. Hierin liegt eine der besonderen Schwierigkeiten des so simpel anmutenden Verfahrens. Zudem muss die Wirkung des therapeutischen Eingriffes mittels eines indikationsabhängigen komplexen Untersuchungsrasters vor und nach jedem Impuls geprüft und kontrolliert werden.

Keine behandlungstypischen Risiken

Im Gegensatz zur klassischen Chirotherapie ist die Atlastherapie keine Manipulation, es wird nicht geknackt, schon gar nicht irgendetwas eingerenkt oder reponiert! Es gibt deshalb – im Gegensatz zur Chirotherapie und besonders zur Chiropraktik – bei der Atlastherapie nach Arlen keine behandlungstypischen Risiken, da die technische Durchführung streng aus der sogenannten Neutralstellung erfolgt. Das heißt, es findet kein Zug oder keine Drehung des Kopfes statt. Die besonders befürchtete Verletzung der Arteria vertebralis, wie sie gelegentlich bei chiropraktischen Behandlungen vorkam, ist bei kunstgerechter Durchführung der Atlastherapie nicht möglich und wird nie beschrieben!              

Dr. Christian Merkl, Facharzt für Orthopädie, Diplom-Osteopath (D.O.M.TM), Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

Dr. Christian Merkl, Facharzt für Orthopädie, Diplom-Osteopath (D.O.M.TM), Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft